Interessante Einblicke in andere Kulturen und Erlebniswelten garantiert!

Warum in die Ferne schweifen, wenn eines der zehn besten neuen Museen weltweit ganz in unsere Nähe liegt? Das von der britischen Tageszeitung „The Guardian“ ausgezeichnete Museum ist das „Zentrum für verfolgte Künste“ im Kunstmuseum in Solingen-Gräfrath. Das Museum widmet sich u.a. dem Erbe der deutsch-jüdischen Ausnahmekünstlerin Else Lasker-Schüler, die 1933 ins Exil ging, als ihre Zeichnungen aus der Berliner Nationalgalerie entfernt und ihre Bücher verbrannt wurden.

In diesem Jahr jährt sich die Geburt der Wuppertalerin zum 150. Mal. Aus diesem Anlass zeigt das Zentrum bis zum 25. August eine Ausstellung mit dem Titel „The Spirit of the Poet“. Darin werden Exponate von Else Lasker-Schüler im Dialog mit den Werken von sieben zeitgenössischen Künstlerinnen und Künstlern gezeigt, die thematische Ähnlichkeiten aufweisen. Die korrespondierenden modernen Kunstwerke können inhaltlich in der Tradition ihrer Vorgängerin gesehen werden. Ihre Haltung zu dem Dargestellten verbindet sie mit Else Lasker-Schüler und lässt sie sozusagen „im Geiste der Künstlerin“ erscheinen.

Wenn Sie Lust haben auf einen Einblick in moderne Kunst unterschiedlichster Genres (z.B. Video-Kunst, Skulpturen, Installationen, Grafiken), verspreche ich Ihnen einen spannenden Ausstellungsbesuch.

Die zeitgenössischen Künstlerinnen und Künstler, die größtenteils ebenfalls im Exil leben, weil sie ihre Kunst in ihrem Herkunftsland weder betreiben noch ausstellen können, sind ausnahmslos renommierte Persönlichkeiten mit internationaler Ausstellungserfahrung. Maja Bajevic hat sogar bereits an der documenta in Kassel teilgenommen und an der 50. Biennale in Venedig.

Besonders ans Herz legen möchte ich Ihnen u.a. die mehrteilige Installation der irakischen Künstlerin Hanaa Malallah. Ihr halb verbrannter Stuhl ohne Sitzfläche mit dem ausgestopften Wiedehopf auf der Lehne ist auch auf dem Flyer zu sehen, mit dem das Zentrum für verfolgte Künste für die Ausstellung „The Spirit of the Poet“ wirbt. Der Künstlerin zufolge ist der Wiedehopf in ihrer Kultur einerseits der Bote wichtiger Nachrichten. Er symbolisiert aber auch die Kunst des Überlebens. Vor diesem kulturhistorischen Hintergrund sind ebenfalls die 12 Grafiken zu verstehen, die im Hintergrund des Stuhls zu sehen sind. Sie alle zeigen diesen Vogel in unterschiedlichen Zuständen der Bedrohung und Zerstörung: Die Kunst des Überlebens ist sozusagen ein arg gerupfter, seiner Freiheit beraubter Vogel.

Meine zweite persönliche Empfehlung betrifft den Ausstellungsbeitrag des Hamburger Künstlers Simon Wachsmuth, der sich auf die Spuren seiner jüdischen Großmutter begeben hat. Sie floh vor den Nationalsozialisten aus Deutschland und überlebte den Holocaust als Tänzerin in Shanghai. Der Enkel hat eine sehr poetische Videoinstallation („Quing“) geschaffen, in der die Lebensreise seiner Großmutter thematisiert wird in zwei unterschiedlichen Videos, die zeitgleich zu sehen sind. Eine Tänzerin „vertanzt“ darin diese Lebensgeschichte in der Beschäftigung mit einem Kimono. Ergänzend dazu hat Simon Wachsmuth Vitrinen bestückt mit Fundstücken aus dem Nachlass seiner Großmutter. Sehr sehenswert!

Unbedingt zu empfehlen sind die Nutzung eines Audio-Guides oder die Teilnahme an einer öffentlichen Führung (sonntags 11:15 Uhr). Genaueres über die Ausstellung „The Spirit of the Poet“ und über das Gräfrather Museum, das übrigens direkt neben dem sehr beliebten Restaurant „Junkbrunnen“ liegt, erfahren Sie unter www.verfolgte-kuenste.de

Adresse:
Zentrum für verfolgte Künste GmbH
Wuppertaler Str. 160
42653 Solingen

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